Durch eine wohldurchdachte Rede verbesserte Alexander der Große die Stimmung der Kommandeure, die ziemlich schlecht war, als sie erfahren haben, dass sie diese Stadt mit ihren riesigen Mauern erobern müssten, wo sie doch wussten, dass dies nur sehr schwierig wäre und viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Zwischen der Küste und Tyros war noch das Meer, dessen Länge bis dorthin achthundert Meter betrug. Und dies musste ohne eine nennenswerte Flotte überwunden werden. So fing man an einen Damm zu bauen. Das Material karrten die Bewohner von Paläotyros heran, nachdem man sie gezwungen hatte, dafür ihre eigenen Häuser abzureißen. Tausende von Kriegsgefangenen haben sie dabei unterstützt. Doch dieser Damm wurde durch das stürmische Meer und von den Tyrern zerstört. Auch ein zweiter stärkerer Damm kam nur auf Schussweite an die Stadtmauer heran. Nun ging Alexander nach Sidon zurück und stellte aus den zurückgekehrten phönikischen, kyprischen und anderen Schiffen der aufgelösten Perserflotte eine eigene Flotte zusammen, um die Tyrer zur See zu schlagen, doch diese wichen einer Seeschlacht aus und sperrten ihre beiden Häfen. So ließ Alexander der Große dann mehrere Belagerungsgeräte, wie Rammböcke und Katapulte herantransportieren und stellte sie auf die, von ihm nahe der Stadt verankerten, breiten Frachtschiffen, um so die Mauer aufzuschlagen. Die Tyrer erkannten die drohende Gefahr und ließen so ihre Flotte aus den Häfen und vernichteten das kyprische Geschwader, wurden darauf aber von Alexander zurückgeschlagen. Jetzt konnte Alexander die ganze Stadt umzingeln und mit Spezialschiffen, an denen Rammböcke montiert waren, die Mauer von allen Seiten aufschlagen. Die Übernahme der Stadt war dann ein Leichtes. "Zu den Racheakten, die darauf folgten, gehörte die Kreuzigung der gefangenen jungen Männer und die Versklavung der übrigen Bevölkerung."
Während der Belagerung von Tyros bekam Alexander der Große überraschenderweise doch noch ein zweites Schreiben vom Perserkönig. Darin bot Dareios die Abtretung aller Länder westlich des Euphrat an, die Anerkennung Alexanders als einen gleichrangigen Großkönigs, seine Vermählung mit der Tochter des Dareios, dazu ein Lösegeld von 10 000 Talenten (etwa 130 Mio. Euro) für die Freilassung der Königsfamilie.
Nie in der Geschichte hatte sich der Beherrscher eines Weltreichs mehr gedemütigt, obgleich noch gar kein Grund dazu bestand. Der Kern seines Reiches, also der wichtigste Teil, war noch intakt.
"Wenn ich Alexander wäre würde ich es annehmen." soll Parmenion gesagt haben. Was erwiderte Alexander darauf? "Wenn ich Parmenion wäre, würde ich das Angebot auch annehmen".
Er hätte sich doch niemals "nur" auf die gleiche Stufe des Großkönigs setzen lassen, nicht Alexander der Große, Sohn des Zeus. Ausserdem gehöre das Reich, das Dareios ihm anbot sowieso bald ihm, eine Erlaubnis zur Verehelichung mit einer Tochter des Großkönigs brauche er nicht und das Angebot von ein paar tausend Talenten komme einer Beleidigung gleich. Im übrigen sollte der Großkönig ihn doch persönlich bitten.
So ging der Krieg nun weiter.